
IK Multimedias ARC Raumakustiktool liegt in der Liste der meistnachgefragten Produkte bei uns ganz weit vorn. Jeder möchte wissen, ob es wirklich so einfach funktioniert, wie es beworben wird: einfach einmal Messen, das Plugin auf den Masterbus packen und schon ist Raum aus dem Mixen heraus! Also alle Reflektionen, Moden und stehende Wellen sind verschwunden.
Wir waren skeptisch und insbesondere unser Akustikguru Thomas, der aus Prinzip alle Raumprobleme durch Module und bauliche Veränderungen löst und nie einen EQ zur Raumkorrektur verwenden würde, zweifelte an dem Konzept.
Grund genug für mich, ARC einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.
Der erste Eindruck war positiv: in der etwas überdimensionierten Box fanden sich neben der Installations-CD eine ausführliche Anleitung und ein gutes Messmikrofon. Letzteres soll sich auch für Aufnahmen eignen, doch da ich unsere Testversion gleich wieder weitergeben mußte, kann ich dazu keine Aussage treffen. Die Anleitung gibt mehrere mögliche Messpositionen vor, die sich für große Regien, Kinos und das Homestudio eignen. Amüsant ist der Vorschlag, für die Klientencouch Messungen durchzuführen, die dann als Extra-Preset zu speichern und dann zum Vorführen umzuschalten. In der Theorie eine gute Idee, doch will ich wirklich meine Klienten wissen lassen, dass die Raumakustik in meinen Studio suboptimal ist? Da mein (bis auf ein Bücherregal im Rücken) akustisch unbehandeltes Heimstudio mit 13m2 den meisten Homerecording-Bedingungen entspricht und so einige Probleme im Bassbereich aufweist, wählte ich die Messposition für kleine Regien. Die Messungen an sich gingen schnell und problemlos vonstatten und waren innerhalb einer halben Stunden erledigt. RTFM und Konzentration sind allerdings Pflicht, da Fehler, die bei den Messungen entstehen, sich später nicht korrigieren lassen. Schönerweise (oder eher schrecklicherweise) konnte ich die störenden Überhöhungen im Raum bei den durchlaufenden Frequenzsweeps deutlich wahrnehmen.
Nach der Durchführung von 30 Messungen in einem Radius rund um meinen Regiestuhl bekam ich einen leider etwas kleinen und optisch sehr gemittelt wirkenden Frequenzkorrekturplott, der neben den offensichtlichen Schwächen im Bassbereich für mich überraschende Korrekturen im Mittenbereich zeigte. Das Programm bietet die Möglichkeit, ein Lautsprecher Icon zur besseren Erinnerung an das Preset zu wählen, wobei das erste vorgeschlagene genau meinen ADAM P11 entsprach – nur Zufall? Jedenfalls war ich mehr als gespannt, wie denn mein aktueller Mix (Elektro-Pop) mit den Raum-Korrekturen klingt.
Schnell Cubase 3 geöffnet, den Mix einmal ohne ARC Plugin abgespielt, dann das Plugin auf den Masterbuss gelegt und mein Messpreset aufgerufen – und erstmal befremdet sein. Wegen der massiven Absenkugen bei 160 und 230 Hz wirkte der Mix zunächst kalt und distanziert. Doch plötzlich hörte ich in den Gitarren störende Klingelfrequenzen und im Zusammenspiel Bassdrum-Bass eine Überlagerung, die sich jetzt schnell beheben lies. Nach mehrmaligen hin-und herswitchen bemerkte ich, was die Raumkorrektur alles macht: der Bassbereich wirkt aufgeräumter, die Mitten sind linearer und „Ausreißer“ lassen sich sofort erkennen. Nachdem ich die Korrekturen am Mix durchgeführt hatte, nahm ich das Plugin aus dem Bus und machte einen Mixdown. Der direkte Vergleich der Mixe vorher und nachher zeigte, das der Mix unter Zuhilfenahme des ARC ausgewogener Klang und sich im Club auch lauter drehen lies, ohne zu Klingeln oder zu Dröhnen.
Fazit: ARC ist jetzt bei mir im Dauereinsatz, wobei ich es erst während der Mix-Phase einschalte und dann auch immer wieder hin-und herswitche, als wäre es ein zweites Paar Boxen. Das liegt auch daran, dass ich seit Jahren an meine Boxen und den Raum gewöhnt bin und ihren Klang weitestgehend kenne. ARC ist aber ein hervorragende Mixhilfe, die mich wesentlich schneller zum Ergebnis kommen läßt. Definitiv eine Empfehlung für Projekt-und Homestudios!
Kaufen!
DasDAS
P.S.: Wer ARC bei sich ausprobieren möchte, kann gerne unsere Testversion ausleihen – damit läßt sich 14 Tage ausprobieren, was das Programm alles leistet. Ich mochte es nicht wieder hergeben.