Brainworx bx_XL, oder: Das neue LAUT

Zugegeben: Als ich den ersten Teaser-Text in der Anzeige für Brainworx neuen M/S Limiter bx_XL gelesen habe, musste ich erst einmal schmunzeln.

bx_XL is a low latency M/S mastering limiter. Its main purpose is to help you get your mixes loud and clear. “As loud” as any major label production and less “squashed” (aka distorted) than many of them.

Da der Sieger des „Loudness War“ scheinbar immernoch nicht fest steht und die Truppenzentrale kürzlich bemerkt hat, dass man über die Mid/Side-Flanke auch noch zu wenige Angriffe gestartet hat, steht Brainworx damit nicht allein auf dem Schlachtfeld – Mid/Side-Bearbeitung scheint (wieder) in Mode zu kommen – und das nicht nur auf Software-Basis.

Nun, heute ist mal wieder Software dran, weil ich gemütlich auf einen Tee (Earl Grey) vor Cubase sitze und mein E-Mail Client mich anschreit, dass nun doch schon seit einer Minute eine E-Mail von Brainworx ungeöffnet im Postfach liegt – Oje, schnell – ich könnte ja was verpassen. Es folgte das oben beschriebene Schmunzeln und gleich darauf der Download der freien Public Beta des bx_XL. Das PlugIn ist nach der Installation auch OHNE iLOK 14 Tage voll nutzbar. Sehr schön!

Der erste, subjektive Eindruck meinerseits: Hellyeah!
Da ich mehr aus der elektronischen Ecke komme, zähle ich mich zu den Menschen, die getrost mal ein hämisches Grinsen aufsetzen dürfen, wenn sich in der Nähe diese kleinen Loudness War Diskussionsgrüppchen bilden. Nicht, dass ich die Problematik nicht verstehen würde, aber ich behalte mir vor, harte Kompression und rechteckige Wellenformen auch mal als Stilmittel einzusetzen, wenn’s passt. Nun gut, nicht abschweifen, Jochen – weiter geht’s.

Das Interface:

Brainworx bx_XL

Der bx_XL kommt, wie alle Brainworx PlugIns im dunkelgrauen Metall-Look daher, auch Potis, Buttons und Meter kennt der Brainworx-Nutzer schon – zu Hause!
Ich gehe mal von oben nach unten durch: Wir finden oben eine Leiste mit mehrere Buttons für Grundfunktionen – sehr nützlich sind hierbei ein „Undo“– und „Redo“-Button, welche übrigens 32 Steps im Speicher behalten, und die Labels „A“ bis „D“ für das Speichern von vier verschiedenen Settings zum Vergleich.
Gleich darunter neben dem Firmenlogo findet sich eine Metering-Sektion. Vier „beleuchtete“ Anzeigen im Analog-Look kümmern sich (1) um die Balance zwischen tiefem und hohem Mittensignal (Mid Lo/Mid Hi), (2) um die Balance zwischen Mitten- und Seitensignal allgemein, (3) um die Phasenkorrelation und (4) die Balance Links/Rechts – Ergo: Alles da!

Im Weiteren ist der bx_XL vertikal in fünf Spalten geteilt, die sich wie folgt zusammen setzen:

01 Mid Lo & 02 Mid Hi
Der bx_XL trennt das eingehende Signal nicht nur in die Mitten- und Seitenanteile, sondern trennt auch noch automatisch das Mittensignal in „Mid Lo“ und „Mid Hi“, also tiefe und höhere Frequenzanteile. Jedes „Band“ kann somit individuell limitiert werden. Hierzu stehen jeweils neben drei Potis für Attack (0,1ms – 1,5ms), Release (0,1ms – 999ms) und XL-Modus (Zumischen von k3 und k5 / Sättigung) die Buttons „Active“ (Bypass), „Solo“, „Fader Link“ (Verbindet die Fader für Threshold und Gain Boost entgegengesetzt) und „Sidechain“ (Aktiviert den Sidechain für den jeweiligen Kanal).
Unter den beiden Mid-Kanalzügen findet sich noch ein Regler für die Crossover-Frequenz der beiden Mitten-Anteile und der von Brainworx in mehreren PlugIns verbaute, sehr praktische „Mono-Maker“, welcher unter der eingestellten Grenzfrequenz alle Signale in Mono wandelt.
Der LED-Meter zeigt für jedes Band jeweils In- und Output und läasst dazwischen noch ein wenig Platz für die Anzeige des Triggersignals bei aktiviertem Sidechain. Praktisch!

03 Side
Der „Kanalzug“ für das Seitensignal gleicht denen der Mittensignale. Darzunter befindet sich noch eine kleine Kiste für die Sidechain-Funktion, welche sehr durchdacht aufgebaut ist. Zunächst haben wir einen Fader, welcher an zwei Auswahlfelder gekoppelt ist – in der Abbildung mische ich mir also ein Sidechain-Signal aus „Mid“ und „Side“, wobei das Mischungsverhältnis bei 66% Seite und 33% Mitte liegt. Das Schöne: Ich kann für jedes der beiden Signale folgende Parameter definieren: Mid Lo, Mid Hi, Mid, Side, Ext. – Unbegrenzte Sidechain-Freude vom leichten Absenken der Gitarre durch die Snare bis zum pumpenden Synthbass ist alles drin.

04 Master
Vor der Master-Sektion werden die bearbeiteten Einzelsignale intern wieder zu einem L/R Signal zusammen gemischt. Als Einstellungen bleiben ein globaler „XL-Regler“ inkl. Bypass, welcher als Remote für alle drei vorigen Sättigungsregler der Einzelsignale gilt, ebenso ein globaler Gain-Boost und ein globaler Threshold. Außerdem Solo-Buttons für L, R, M, S und Sidechain-Signal und einen Auto-Solo, welcher auf Mausklick den gerade in Bearbeitung befindlichen Kanal Solo schaltet, bis die Maustaste losgelassen wird – Für mich extrem praktisch.
Das Meter zeigt übrigens für Links und Rechts Peak, RMS und Dynamic Range nach Limiter gleichzeitig an.

05 I/O & Summing Amp
Die letzte Spalte gehört zum einen den wenigen nötigen Input-Settings inklusive Gain für jeweils L und R plus Link-Funktion und Panning für Mid- und Side-Signal und zum anderen dem „Summing Amp“, welcher für die Rückwandlung der M/S-Signale in ein L/R-Signal zuständig ist. Dieser kommt auch mit nur zwei Reglern, für Mid-Gain und Side (Width) aus. Wer es also gerne breit hat, kann hier nochmal auf die Kacke hauen.
Zu guter letzt hätten wir noch den Master Out-Regler, welcher das Signal aus der Master-Sektion nochmals um +-6db zu regeln vermag – manchmal wurd ja gerne auf 0db limitiert und danach auf -0,2db reduziert, um nochmals 100%ig sicher zu gehen, dass nichts clippt und knackt.

So, damit haben wir das Interface abgehakt, meine subjektiven Eindrücke vom Sound sind immernoch sehr sehr gut, gewohnt gute, Langenfelder Programmierarbeit. Ich gehöre somit zu den Leuten, die lange auf genau dieses Tool gewartet haben und warte nunmehr in den kommenden 11 Tagen auf eine E-Mail mit dem Preis für dieses Schätzchen – VÖ ist am 20.10.2010.

Update: Einführungspreis 199,00 Euro / Brainworx-Kunden 149,00 Euro. Fein!
Mark your calendars!
Das Madi

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4 Antworten auf “Brainworx bx_XL, oder: Das neue LAUT”


  1. 1 Jan K. 11. Oktober 2010 um 1:48 Uhr

    Sehr vielversprechendes Konzept, es sind die pfiffigen Details, die es von Lösungen mit der eigenen M/S-Matrix abheben. Sympathisch auch die Produktbeschreibung:

    „Während wir bx_XL entwickelt haben, haben wir uns oft gefragt, warum es anscheinend sein „muss“, Mixe heutzutage so extrem zu limitieren. Obwohl man genau das mit bx_XL tun kann, glauben wir, dass es eine gewisse Grenze gibt, an der man STOPPEN sollte, Mixe weiter zu begrenzen (limitieren), nur um womöglich noch „lauter“ zu klingen.

    Ab einem gewissen Level denken wir bei BX, dass zuviel Lautheit wirklich eine „Limitation“ (aka Einschränkung) für Musik ist. Und zwar in Hinsicht auf Dynamik, Power und Stärke…“

  2. 2 DasMadi 11. Oktober 2010 um 17:07 Uhr

    @Jan:
    Da hast du vollkommen recht, es sind die kleinen Gimmicks, die dieses Tool zu meinem absoluten Liebling machen. Dabei rückt bei mir, je länger ich das Teil teste, die Limitierung an sich immer mehr in den Hintergrund – schon allein wie schön man das Stereofeld öffnen kann ohne das Signal allzu „heiß“ weiter zu geben zaubert mir ein Lachen auf’s Gesicht. Meine Snare klingt wie 2, haha…

    Monday, I‘m in love!
    DasMadi

  3. 3 karl 12. Oktober 2010 um 13:23 Uhr

    wie laut den noch, sind doch schon eh alle taub !
    man sollte sich mal wieder mehr auf die musik konzentrieren
    und nicht noch mehr tools zum zerstören der dynamik :)

  4. 4 Someone 02. November 2010 um 14:58 Uhr

    Kleiner Hinweis:

    199 Euro + 19% Steuern! =)

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