Review: Native Höhen/Boost EQs

Siemens Sitral

Als ich das erste Mal einen Siemens Sitral EQ auf einer Akustikgitarren-Subgruppe gehört habe, war mir klar, was mit dem Techniker-Schnack von „da geht die Sonne auf“ gemeint ist: durch einen ordentlichen Höhenboost bekommt das Signal eine ganz andere Präsenz und Schimmer, ohne scharf oder schneidend zu wirken. In der Welt der DAWs hab ich schon seit langem verschiedene EQs ausprobiert, um diesen Effekt, der mit guter Hardware (z.B. Brent Averill oder Neve) leicht zu realisieren ist, nachzubauen. In Ermangelung einer UAD-Karte habe ich mich auf native Plugins (AU und VST) beschränkt und hatte immer mal wieder einen Favoriten, doch nichts, was mich wirklich begeistert hat. Deswegen nahm ich mir jetzt die Zeit, einen großen Vergleichstest zu machen, um endlich den für meine Ohren besten nativen Boost-EQ zu finden.

Der Test

Im Test waren das Abbey Road Brilliance Pack, Softube Passive EQ, URS Channel Strip Pro, PSP MasterQ, Stillwell 1973 und der Tritone Digital ClassicTone PEV. Als Testmaterial dienten mir Aufnahmen (Klavier, Drums, Male Vocals) aus einer aktuellen Produktion, die ich hier leider aus rechtlichen Gründen nicht publizieren kann. Das Analyseinstrument meiner Wahl waren meine Ohren und das Levelmeter, damit ich nicht vom „lauter ist besser“ Effekt beeinflußt wurde. Also, alles rein subjektiv, keine Analyzer, kein Anspruch auf Allgemeingültigkeit.
Bei allen EQs habe ich zuerst getest, was ein Boost von 8dB bei 10KHz (oder vergleichbare Werte, einige Plugins bieten diese Option nicht an) mit dem Signal macht, bevor ich mich an das Mittenband bei 4-5KHz mit 8dB heranwagte. Wie gesagt, es geht hier nur um „Sweetening“, die Veredlung eines Signals und die Präsenzanhebung. Der MasterQ und der Channelstrip Pro sind noch weitaus umfangreicherer Werkzeuge mit einem breiteren Anwendungsfeld, das hier unter den Tisch fällt.

Wie klingt’s?

Stillwell 1973

Stillwell 1973: modern und direkt, aber auch etwas körnig trotz Oversampling. S-Laute treten scharf hervor.

URS Channel Strip

URS Channel Strip Pro: am besten gefiel mir die Einstellung mit „1951″ als Höhen-EQ bei Höhencut @18KHz- recht sanfter, tief ansetzender Boost. Angenehm besonders in Verbindung mit den verschiedenen Sättigungsmodi. Wer sich reintüftelt und experimentiert, wird viel Spass mit ihm haben.

PSP Master Q

PSP MasterQ: scharf im Klang, was am internen Clipping liegen mag. Die Konkurrenz nutzt wohl einen Softsat-Limiter, um Übersteuerungen innerhalb des Plugins zu vermeiden. Besser ist er, um chirurgisch einzugreifen und abzusenken.

Abbey Road Brilliance Pack

Abbey Road Brilliance Pack: hier hört man, das Vintage Equipment emuliert wird – das Signal bekommt eine deutliche Färbung und wird auf manchmal mehr, manchmal weniger passende Art und Weise „vintagefiziert“. Gerade auf Signalen, die weiter hinten in den Mix rutschen sollen und trotzdem Präsenz bewahren müssen, funktioniert diese klangliche Verschlechterbesserung hervorragend.

Softtube

Softube Passive EQ: Guter Klang, ähnlich dem Stillwell ohne dessen Körnigkeit. HiFi-mässig, wie schon das Äußere suggeriert.

Classic Tone PEV

Tritone Digital ClassicTone PEV: zum ersten Mal bekam ich das Gefühl, dass ich Eingangs mit dem Siemens EQ beschrieben habe: der Boost hebt das Signal angenehm an, verbessert die Lesbarkeit und lässt es fast 3D erscheinen. Im Vergleich klingen alle anderen EQs mehr oder minder ähnlich, auch als ich meine Assistentin (OK, meine Freundin) bat, die EQs für mich zu wechseln: ich konnte in diesem Blindtest die anderen EQs nicht eindeutig unterscheiden, doch jedes mal, wenn der PEV anging, erkannte ich ihn. Beim weiteren Experimentieren und Vergleichen kam ich auch zu dem Schluß, dass der PEV auch besser Höhen beschneidet als die anderen EQs, was ihn im Mix noch viel wertvoller macht.

Ergebnis:

Meine Wahl fällt auf den Neumann EQ-Klon Tritone Digital ClassicTone PEV – 85$ sind mehr als angemessen für soviel Klang! Der PEV kann es mit Hardware aufnehmen, auch wenn ich den Boost eines 1084 bei der Aufnahme immer bevorzugen würde. Ich freue mich, wenn die Jungs ihre ganze Produktpalette von der verstorbenen Pluggo-Umgebung auf AU/VST umgesetzt haben. Leider ist er momentan nur für den MAC erhältlich und das wird wohl auch so bleiben.

It needs to soar,
DasDAS

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5 Antworten auf “Review: Native Höhen/Boost EQs”


  1. 1 mario 10. September 2010 um 20:23 Uhr

    hallo

    vielleicht solltest du auch mal in deinem test die EQ´s von nomadfactory mit einbeziehen. leider wird diese pluginschmiede immer stark unterschätzt. aber zum beispiel der PEQ4 ist im highend wie auch lowend einfach ein zauberer und im mittenbereich ist er sehr gut um das signal schön einzufärben ohne dabei aufdinglich zu klingen.

    ist in den meisten fällen meine erste wahl wenn es darum geht gitarren, rodes, organs, und stimmen zu veredeln

    http://www.nomadfactory.com/products/asp/index.html

    grüüüße

    mario

  2. 2 DasDAS 11. September 2010 um 9:44 Uhr

    Hi Mario, danke für den Tip! Nomad Factory hatte ich seit dem Blue Bundle nicht mehr auf dem Schirm. Hast du den PEQ4 schon mit dem PEV verglichen?

  3. 3 mario 11. September 2010 um 21:54 Uhr

    nein hatte ich leider nicht da ich kein mac-user bin…..

    aber ich kann es anhand von z.B. dem harrison32 vergleichen

    der PEQ4 is im ganzen eher ein starker „färber“

    im breich der höhen kann er von harsch bis silbrig subtil.

    der harrison 32 hingegen kann in den höhen mit mehr seidigkeit aufwarten. bei beiden eq´s ist aber das grundsignal teils sehr entscheident.

    grüße

  4. 4 DasDAS 13. September 2010 um 13:44 Uhr

    Danke für das Mini-Review! Ich lade mir mal ein ein Demo von Nomad Factory runter und hör mir den EQ an.

  5. 5 Jan 28. September 2010 um 8:42 Uhr

    URS Neve Emulation. Da mal die Höhen bei 12k absenken. So wie’s der Busy Bühren beim Mastering immer macht :)

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