5 Fakten zu Kabeln und Steckern

Pimp

Pimp your Studio! Immer wieder tauchen Fragen auf zu grundsätzlichen Überlegungen: was unterscheidet Gerätetyp A von Gerätetyp B, welche Specs sagen was aus, welche nicht. Was ist sinnvoll und was ist Voodoo ? Es soll hierbei nicht um wissenschaftliche Betrachtungen mit all Ihren Formeln gehen, sondern um handfeste, erprobte Tipps zum Thema Studiotechnik. Heute: Kabel und Stecker.

1. Goldkontakte in Steckern und Buchsen

Klanglich gesehen keine Verbesserung. Obwohl Gold elektrischen Strom besser leitet als das normalerweise verwendete Nickel ist ein Unterschied weder mess- noch hörbar. Großer Vorteil allerdings : Gold oxidiert nicht, Nickel schon. Oxidierte Kontakte verursachen Störungen in Form von Geknister oder Ähnlichem. Gute Nickelstecker halten zwar lange, Goldkontakte dagegen nahezu ewig. Haken : Man sollte die beiden Typen nicht mischen. Das Ergebnis ist Kontaktkorrosion, die immer auftritt, wenn ein edles auf ein unedles Metall trifft. Die Goldkontakte bringen Ihre Nickel-Kollegen schnell in Verlegenheit, so dass letztere sich langsam auflösen.

Fazit: Wer gerne in haltbare Ware investiert, greift zu Gold. Klangliche Vorteile sollte man aber nicht erwarten

2. Sauerstofffreie Kabel (OFC-Cables)

Ok – das ist ein HIFI-Klassiker. Allerdings sichte ich ab und an schon Profi-Kabel die mit dem Branding OFC werben, teilweise mit fiesen Aufpreisen (es gibt zum Glück auch Ausnahmen). Was soll das ? Die These ist, dass Kabel, welche in den meisten Fällen aus Kupferdrähten hergestellt werden, zum Oxidieren neigen, sollten sie Sauerstoff enthalten.
Chemisch gesehen einleuchtend – wo ist das Problem ? Es entsteht Kupferoxyd. Jetzt muss man noch wissen, dass aus Kupferoxyd Halbleiter hergestellt werden, Bauteile die unter anderem dazu eingesetzt werden, um Wechselstrom in Gleichstrom umzuformen. Audiosignale sind Wechselstrom und die Wellenform wird übelst beschnitten, wenn sie innerhalb einer elektronischen Schaltung auf einen Halbleiter trifft. Verzerrer leben von diesem Effekt . Aber Kabel?? Es wird behauptet, dass durch das Vorhandensein von Sauerstoff im Kabel sich dort über kurz oder lang ein Haufen Halbleiter bilden würden, die zu Verzerrungen führen. Beweise gibt es keine. Niemand hat es je geschafft, ein Kabel zu präsentieren welches Verzerrungen produziert. Kabel können tatsächlich schlechte klangliche Eigenschaften haben, Verzerrungen gehören aber nicht dazu. Wenig bekannter Vorteil von OFC ist allerdings, daß das entsprechende Kupfer mechanisch stärker belastbar ist. Wer oft auf seinen Kabeln herumtrampelt oder diese auch sonst schlecht behandelt, kann profitieren. Länger haltbar sind OFC-Kabel theoretisch auch noch.

Fazit: klanglicher Effekt gleich Null. Wenn es nicht unverschämt teuer ist oder man die Kabel auf der Bühne benutzt wo oft Leute
drauftreten kann man es mitnehmen. Ansonsten kann man sich den Aufpreis sparen

3. Markenstecker Vs. No-Names

Wir empfehlen gerne Stecker eines bekannten liechtensteiner Herstellers. Das machen wir nicht, weil der uns regelmäßig einen Müllwagen voll Geld vor die Tür stellt oder weil die klangliche Qualität in irgendeiner Form besser wäre als bei No-Names. Trifft beides nicht zu. Mechanische Qualität ist der Punkt. Ich bekomme regelmäßig Geräte zur Reparatur in deren Klinkenbuchsen abgerissene Köpfe von Billigklinken stecken. Wir sind immer wieder in Studios, die mit rätselhaften Störungen kämpfen – verursacht durch miese Stecker. Markenstecker sind teilweise um ein Vielfaches teurer, allerdings spart der Anwender auf lange Sicht bares Geld für Servicetermine / Reparaturen, die schlicht vermeidbar sind.

Fazit: Billig ist am Ende oft teuer

4. kryogenische Superkabel

Klingt unheimlich nach Science Fiction, ist aber Realität! These : Die Molekularstruktur des Kabelmaterials wird per Kryogenik (Buzz-Word für Einfrieren) verdichtet und „geordnet“, was die Leitfähigkeit erhöhen soll. Toll. Die Leitfähigkeit von Metallen ist tatsächlich temperaturabhängig, doof nur das das Material sich das nicht merken kann. Taut man das Kabel wieder auf ist alles wieder beim Alten. Und selbst wenn dem nicht so wäre, bei einem Kupferkabel haben wir es mit Widerständen im Milliohm-Bereich zu tun. Das verändert sich beim Einfrieren auch entsprechend nur im Milliohm-Bereich. Wo da der klangliche Vorteil liegen könnte ist unklar bzw. nicht beweisbar.

Fazit: Utter Nonsense !

5. optimierte Kapazität

Wann immer sich zwei stromführende Leiter zu Nahe kommen, benehmen sie sich wie ein Kondensator. Nicht immer ist das erwünscht, es läßt sich aber auch nicht vermeiden.
Kondensatoren als solche können zur Dämpfung von hohen Frequenzen eingesetzt werden, z.B in Filtern oder EQs. Im Kabel will man das natürlich nicht haben. Wie sehr sich ein Kabel so verhält, kann man messen, das Ergebnis wird in PikoFarad (pF) ausgedrückt. Je höher die Kapazität desto mehr können hohe Frequenzen vom Kabel geschluckt werden. Die Länge des Kabels spielt auch eine Rolle ebenso wie die verwendeten Quellen und Empfänger. Alles was mit sehr niedrigen oder sehr hohen Impendanzen betrieben wird ist generell anfälliger für diesen Effekt. Gitarre an Verstärker oder Mikrophon an Preamp sind die Hauptopfer. Alles was mit Line-Pegel arbeitet weniger. Es lohnt sich klanglich wirklich sehr bei Mikrophon- oder Gitarrenkabel auf niedrige Kapazität und kurze Wege zu achten. Niedrige Kapazität ist bei den meisten Kabelherstellern leider keine Selbtsverständlichkeit, viele Hersteller geben diese wichtige Spezifikation noch nicht mal an. Es geht auch anders und ist auch nicht unbezahlbar.

Fazit: Für Gitarren und Mics wirklich von Vorteil. Sinvolle Investition.

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10 Antworten auf “5 Fakten zu Kabeln und Steckern”


  1. 1 horst 04. März 2010 um 21:12 Uhr

    ich kauf ja nur linksgedrehte kabelkulturen

  2. 2 DasArne 04. März 2010 um 21:39 Uhr

    die sind ja auch leichter zu verdauen. Besser schmecken tun sie aber nicht

  3. 3 Audionerve 05. März 2010 um 0:20 Uhr

    Geballtes Wissen in kompakter Form – so liebe ich das!

    …und jetzt hol‘ ich mir mal ein hochohmiges Bier aus dem Kryogenik-Schrank und trink‘ einen auf euch! Cheers!

  4. 4 sash 05. März 2010 um 6:18 Uhr

    jetzt wär nur noch sensationell wenn man wissen würde welche pF werte eher gut als böse sind. ansonsten: top post. gracias!

  5. 5 DasArne 05. März 2010 um 11:18 Uhr

    der Teufel steckt im Detail : zweistellige pF-Werte pro Meter sind die Untergrenze des technisch machbaren, d.h. gut.

  6. 6 Zuzanna 05. März 2010 um 16:31 Uhr

    Gut Zusammenfassung.

    Kleiner Hinweis: Mikrofone haben eine Ausgangsimpedanz von

  7. 7 stellan0r 12. März 2010 um 14:19 Uhr

    Doofe Frage, aber meint ihr bei den Steckern evtl. den Hersteller aus Lichtenstein und nicht aus Luxemburg? Oder habe ich nur Schrott gekauft? ;-)

  8. 8 DasArne 12. März 2010 um 14:59 Uhr

    100 Punkte. Mein Fehler. Wird geändert. Danke

  1. 1 links for 2010-03-05 | Mururoar | audiophilosophie Pingback am 05. März 2010 um 14:01 Uhr
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