Mobile Musikproduktion: 5 Top Iphone Apps (Jasuto, TouchOSC, Thereminator, Star6, Ellatron)

Apple erweitert die Fronten: Das Iphone und der Ipod Touch übernehmen gerade den Gamesmarkt und machen Sony und Nintendo Konkurrenz, dank innovativer Spiele für ganz kleines Geld. Auch Amazon bleibt nicht verschont, die Iphone-App zu Nick Caves Buch „The Death of Bunny Monroe“ verschmilzt Hörbuch und Buch auf brilliante Art und Weise und läßt den Kindle alt aussehen. Das Touchinterface und der Tiltsensor eignen sich einfach hervorragend, um mit jeglichen Medien zu interagieren und ermöglicht gerade auch für Musikproduktion neue Wege. Natürlich gibt es jede Menge nonsens-apps, z.B. „I am T-Pain“-Autotune Quatsch, doch einige Instrumente bieten wirklichen Nutzwert für die Musikproduktion. Hier meine eigene, persönliche Auswahl, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, aber im Einsatz geprüft.

TouchOSC

1. TouchOSC Controller

Schlicht gesagt, hat man mit TouchOSC einen flexiblen Touchscreen Controller für das Studio, ähnlich dem Jazzmutant Lemur. Das einfache, schicke und deutlich im Lemurstil gehaltene Interface verbindet sich mit Musiksoftware für Mac oder PC über OSC (Open Sound Control) und bietet Fader, Buttons und XY-Felder, mit denen sich hervorragend fernsteuern läßt. Vorausetzung dafür ist eine WIFI-Verbindung, die sich Computer und Ipod teilen, sowie eine Software, die OSC versteht. Doch mittels Tools wie Osculator (ca.30$) lassen sich auch OSC-unkundige Umgebungen fernsteuern – die Software wandelt die einkommenden Daten in Midi um. In 10 Minuten konnte ich so Ableton Live kontrollieren. Leider gibt es noch keine automatische Erkennung von TouchOSC als Kontrolloberfläche in Live und die Workarounds sind was für serious Nerds. Ich hab es in einer halben Stunde nicht geschafft und damit war mein Zeitbudget erschöpft. Aber wenn man sich die Buttons ohnehin selbst zuweisen will, ist TouchOSC fantastisch. Für Max/MSPler und Processing Freaks ein muss, alle anderen können sich überlegen, ob ihnen die zusätzliche Investition in eine Extra-Software genehm ist. Livetauglich ist die Remote leider nur bedingt, denn ein WIFI in der Venue ist Pflicht. Hier würde ich mir Bluetooth wünschen.

Mit Apple Laptops (und einigen Win laptops auch) kann TouchOSC auch in clubs/venues verwendet werden. Einfach ein Computer-zu-Computer Network auf dem Laptop erstellen und TouchOSC direkt damit vebinden. Sogar die (schon von haus aus geringe) Latenz wird dadurch noch kleiner da kein Umweg ueber nen WiFi-router gemacht wird. Happy controlling!

Bob, via den Kommentaren.

Rating: 4 von 5 Fadern

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2. Thereminator Synthesizer

Leicht zu erraten, der Thereminator simuliert ein Theremin. Dank eingebautem Delay, Auto-Aim Funktion und wahlweiser Steuerung über Bewegungssensor oder Touchscreen eine gut klingende und absolut spielbare Version eines der wichtigsten Instrumente der Neuzeit. Schön auch die Glitches, die bei gleichzeitiger Verwendung beider Steuermöglichkeiten entstehen – bitte hier keinen Bugfix!

Rating: 5 von 5 Ufos

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3. Jasuto Modularsynthesizer

Jasuto

Hier tue ich mich schwer: ich konnte den Modularsynthesizer Jasuto nur einen Tag testen, dann hat das letzte Ipod-Update das Programm zerschossen. Ein Bugfix (Version 1.1.2) wurde vor einer Woche an Apple geschickt und steckt dort in der Pipeline ist jetzt downloadbar! Ich erwähne Jasuto hier trotzdem, weil er unter allen Synthesizern im App-Store die meisten klanglichen Möglichkeiten hat. Ähnlich wie bei einem Reactable werden hier verschiedene Synthesebestandteile beweglich auf eine Oberfläche gelegt, die dann untereinander agieren. Im Unterschied zu ähnlich gelagerten Apps wie Synthpond ist hier aber noch die gute alte Verkablung vorgesehen, so dass sich viel komplexere und für Insider lohnendere Patches erstellen lassen. Ich konnte in dem kurzen Zeitraum nur die Presets variieren, war aber ob der umfangreichen Schaltungs-und Moduloptionen beeindruckt. Klanglich überzeugt Jasuto auch, er hat einen eigenen Klang, der sich so kaum woanders herstellen läßt, was an der Verbindung von Interface und Engine liegt.

Wertung: wenn er läuft, 5 von 5 Patchkabeln

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4. Ellatron Sampleplayer

Dadum

Das Ellatron emuliert den ersten Sampler überhaupt, das Mellotron. Dieses Band-basierte Gerät ist bekannt durch z.B. die Flötenklänge bei „Strawberry Fields“ und findet auch heute noch in einem großen Teil moderner Produktionen Raum, meist aber nur aus einer Sample-Library. Die Originale sind teuer und erfordern Wartung, noch dazu ist ihre Latenz beim Spielen enorm (dafür ist das Spielgefühl wunderbar lebendig – dutzende spulende Bänder unter den Fingern zu haben ist toll!). Ellatron ist klein, trashig und klingt wie eine Lomo-Aufnahme von einem Mellotron. Es hat wenig „Grundwärme“ und eignet sich nicht als Hauptinstrument. Doch im Mix macht es sich sehr gut und bietet besonders mit den Chören eine schöne Auffüllung des Klanges. Quick and dirty, aber charmant!

Wertung: 3 von 5 Bandwechselrahmen

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5. Star6 Sampleplayer/MPC

Star6

Zum Schluß die Killer-App, die sicher schnell Einzug in viele Liveauftritte und DJ-Sets finden wird: Star 6 von Jason Forrest und Agile Partners. In quietschbunten Farben auf großen Flächen gehalten, bietet das Programm 6 Sample Slots, in die je 2MB große Loops passen. Darunter befinden sich sechs Effekt-Knöpfe wie Gate, Speed, Pitch etc, die auf den aktuellen Loop eingreifen. Ihre Intesität wird über den Bewegungssensor gesteuert, so dass große Geste möglich sind und man nicht seine Augen auf dem Bildschirm haben muss. Die Engine lässt sich von Sync (vergleichbar Abletons Beat-Modus) zu Grain umschalten, so dass die Sounds schön in Einzelteile zerstäubt werden. Panikknopf, globale Effekte (Delay, Filter, Distorsion) und einfacher Sample-Import runden diese fantastische App ab. Ob als Noisegenerator, DJ-Tool oder gar mini-MPC, Star 6 ist brilliant designt und herrlich roh im Sound.

Wertung: 5 von 5 Ecstasy Pillen

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Das waren meine Favoriten zur mobilen Musik – falls ihr eigene Lieblinge habt, droppt sie doch in den Kommentaren!

May you live in interesting times,
DasDAS

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5 Antworten auf “Mobile Musikproduktion: 5 Top Iphone Apps (Jasuto, TouchOSC, Thereminator, Star6, Ellatron)”


  1. 1 Lounge Musik 13. Oktober 2009 um 16:07 Uhr

    Vielen Danke für die Apps! Besonders der Star6 hat es mir angetan und ich werde ihn wohl mal runter laden und mit ein paar Drumloops füttern.

    Wie schauts denn auf dem Sektor Drum-Machines bei den Apps aus? Gibt es da was passendes mit export-Funktion?

  2. 2 audionerve 13. Oktober 2009 um 16:22 Uhr

    Krieg‘ ich eigentlich eure ganzen Rechner inkl. Software geschenkt, wenn ihr jetzt alle auf‘m iPhone Musik macht?

    :)

  3. 3 Bob 13. Oktober 2009 um 16:39 Uhr

    Mit Apple Laptops (und einigen Win laptops auch) kann TouchOSC auch in clubs/venues verwendet werden. Einfach ein Computer-zu-Computer network auf dem laptop erstellen und TouchOSC direkt damit vebinden. Sogar die (schon von haus aus geringe) latenz wird dadurch noch kleiner da kein umweg ueber nen WiFi-router gemacht wird. Happy controlling!

  4. 4 DasDAS 14. Oktober 2009 um 3:52 Uhr

    Wow, danke Bob!
    Ich bin noch zu PC gelernt um so eine Lösung überhaupt zu sehen.

    @Lounge Musik: Idrum von IK Multimedia hat allerlei gute sounds und exportmöglichkeiten, ich konnte es nur nicht intensiv testen.

    @audionerve:klar, aber ein 386er macht dich nicht glücklich, oder?

  1. 1 Apple Ipad und Midipad = Dreams come true? « DIGITAL AUDIO SERVICE Pingback am 26. März 2010 um 9:54 Uhr
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