EMI verkauft nicht mehr an Indie-Plattenläden (Gastkommentar: Michelle Records)

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Die folgenden Schock-Meldung ging durch die Blogs die letzten Tage:

The music industry knows how to hang out itself, even if it lacks the correct length pf rope. EMI, certainly reeling from declining physical album sales like the other Big 4 record labels, is now apparently telling independent album retailers that it will no longer sell them CDs.

That’s right, EMI apparently told them over the phone a few weeks ago, an oddly perverse means of notification, that henceforth it will no longer sell them physical albums and that they must go to “one stops” like Wal-Mart or Best Buy to buy product like everybody else to then in turn sell.

via Zeropaid

EMI verkauft also keine CDs mehr an Indieplattenläden in den USA – wie sieht es in Deutschland aus? Dazu habe ich Andre Frahm, Mitinhaber von Michelle Records in Hamburg und Schlagzeuger bei u.a. Olli Schulz um einen Kommentar gebeten.

Was für eine Frechheit, denkt sich vielleicht der/die Leser/in über eine solche Aktion aus dem Hause EMI.
Aber das ist die Realität des Schwachsinns in der heutigen Musikwelt. Aktienfirmen, gesteuert und ausgerichtet auf Maximierung der Ertäge, regieren über die Kunst und der dazu gehörigen Präsentation. Da verwundert es mich, als Betreiber eines Schallplattenfachhandels nicht, daß solche Maßnahmen aus dem Hause EMI beschlossen werden.

Völliger Verlust der Bodenhaftung, auch hier in Deutschland zu beobachten und zwar seit Jahren:
wir von Michelle Records dürfen nicht mehr telefonisch betreut werden, bekommen keinerlei Rabatte von EMI und Sony, und das nach 20 Jahren Zusammenarbeit. Die tolle Firma Edel Records hat gerade vor ein paar Monaten an diverse Läden/Einzelhändler ein Anschreiben verschickt, in dem darauf hingewiesen wird, daß wir ab sofort nicht mehr bei Edel bestellen dürfen!

Wir kapieren dieses Verhalten von EMI, EDEL und Konsorten zwar nicht, aber besorgen uns die Ware natürlich über andere Wege. Bei EMI kommt man ja leider nicht drumm herum. Bei der Firma Edel Records aus Hamburg, ist das nicht schlimm, die sollen ihren Schrott woanders ablagern, aber was macht Motor Music eigentlich dann als Independant-Label noch bei Edel-Records?

Wir müssen uns jeden Tag mit diesem Schwachsinn auseinandersetzen, kostet zusätzlich Kraft und Mühe, aber macht das Ganze auch wieder spannend. Bei so viel Dekadenz und Dummheit fehlen einem aber trotzdem oft die Worte.

Mehr über Michelle-Records erfahrt ihr hier. Unbedingt empfehlenswert ist ein Besuch derkostenlosen Schaufensterkonzerte:

05.08. Tish Hinojosa 18h
09.09. Wye Oak 18
18.09. Ray Pink Moth 18h

DasDAS

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4 Antworten auf “EMI verkauft nicht mehr an Indie-Plattenläden (Gastkommentar: Michelle Records)”


  1. 1 Arne 31. Juli 2009 um 18:06 Uhr

    Geile Logik: Wir verkaufen nichts mehr also verkaufen wir nichts mehr…

    Wird Zeit das die Majors zerschlagen werden, in kleinere flexiblere und kompetentere Labels.

  2. 2 Jan 01. August 2009 um 14:07 Uhr

    Ich sag es immer wieder: Die Musikindustrie geht den gleichen Weg wie MTV vor vielen Jahren. Es ist die gleiche Geschichte: Als MTV gegründet wurde, waren da ein Haufen Leute, die ne Leidenschaft zur Musik hatten. Und wie sieht’s heute aus? Deren einzige Leidenschaft ist die zu Klingeltönen und die, die Shareholder zufrieden zustellen – mit immer höheren Renditen. Gut, richtig schlimm kam es auch erst durch den Verkauf an VIACOM, aber egal.

    Plattenindustrie: Früher waren A&R’s Leute mit Leidenschaft und Ahnung von / zur Musik. Heute? BWL‘er, Medienökonme und sonstiges Pack, die bis heute noch Fans von Nokias Strategie in Bochum sind. Klar, wenn ich meine Firma zum Maximal-Geld-scheissenden-Esel umbauen will, muss ich solche Leute nehmen. Die haben auch irgendwann ihren heiligen Gral gefunden, Produkte, die mit wenig Geldeinsatz den grössten Ertrag bringen. Das waren die DSDS Plastikpuppen, wo man den Producer für n Album bezahlt hat, Promo etc. hat der Sender erledigt. Dass solche „Musik“ aber lang nicht die Qualität eines „Escapology“ Albums von Robbie hat, konnten die Erbsenzähler ja nicht wissen. So waren die „Superstars“ nach 3 Monaten meist verheizt und wurden durch das nächste Opfer ersetzt.

    Und das für so einer kein Geld mehr ausgibt, wundert nur die Buchhalter in den geschrumpfen Etagen der Majors.

    Naja, die Lage am Markt bleibt spannend und ich bin scharf drauf zu erfahren, wo die Reise hingeht. Wenn MySpace nen DRM-free Verkaufsladen einrichten würde, würde der Markt sicher nochmal n gewaltigen Umbruch erfahren.

  3. 3 gereon 01. August 2009 um 14:26 Uhr

    Michelle Records hat natürlich in allen Fragen recht, das nervt alle Händler. Nur erscheinen Andres Worte andererseits, nun ja, einigermaßen bigott, wenn man hört, daß beim geplanten deutschen Tag der Plattenhändler der Kollege von Michelle Records sich nicht entblödet zu verkünden, wenn der oder der Mitkonkurrent mitmache, sei man nicht dabei.
    Grotesk, aber wahr.
    So weit siehts nämlich aus mit dem Solidargedanken unter Hamburgs letzten Plattenhändlern…

  4. 4 Michelle 03. August 2009 um 19:45 Uhr

    Hallo Gerion,

    ditt is so nich so jaaanz richtig, ditt mit der Solidarität. Der AMM fragte bei Michelle an, welche Läden unserer
    Meinung nach an der fraglichen Aktion Teilnehmen sollten. Wir haben ZARDOZ und GROOVE CITY empfohlen. Zwei Läden,
    die für ein umfangreiches und preislich okayes Programm stehen. Mit dem Plattenladen-Tag sollen Leute interessiert
    werden, die noch nicht, oder schon lange nicht mehr in ebendiesen waren. Wir halten es für richtig, diesen Leuten
    nicht Läden zu empfehlen, die neben Gummistiefeln, Klamotten und anderen Sachen auch ein paar Kisten mit Platten
    stehen haben, sondern eben ………Plattenläden.

    Das ‚dann nehmen wir halt nicht dran Teil‘-Zitat fiel bei GROOVE CITY während eines längeren Gespräches über genau
    dieses Thema. Es war vielleicht nicht mein schlauester Gesprächsbeitrag, aber wie gesagt, es folgte ein längeres,
    klärendes Gespräch von dessen Inhalt Du, wie ich hoffe, ebenfalls informiert worden bist. Aber ditt intressiert,
    gloob ick, hier keenen.

    Mit trigotten Grüßen:

    Die alte Tante Michelle

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