Mobile Musikproduktion: Logitech Z-10 Speaker Review

Logitech Z 10

Schon seit gefühlten Äonen bin ich auf der Suche nach Lautsprechern, die ich einfach in den Koffer packen und mitnehmen kann, um auch mal ohne Kopfhörer unterwegs zu arbeiten. Lange Jahren hatte ich dafür meine Trashabhöre, billige beige Teac PC-Lautsprecher dabei. Diese sind zwar leicht, brummen aber ohne Unterlass und zerren schnell. Zudem taugen sie nur zum Level-Checken für den Mittenbereich, da sie zum Produzieren soviel Spass wie dreimal recycletes Klopapier aus der Regionalbahn machen. Die üblichen Monitore sind für Bahncardkunden entweder zu groß und schwer (Adam A5, JBL Control One) oder zu teuer für den Klang (M-Audio & Co), den sie bieten. Ich war schon kurz davor, mir selbst Speaker zu bauen, bis ich auf die Logitech Z-10 stieß.

Dieses zwei Speaker, 2-Wege-System hatte ich aufgrund der für meine Zwecke unnützen Features zunächst von Vorauswahl gestrichen, da ich auf keinen Fall USB-Anschluß und ITunes Fernbedienungsdisplay brauche. In der Tat habe ich dieses Feature bisher auch nicht angewendet, sondern betreibe die Speaker direkt aus einer Audiofire 4 (auf -10dB eingestellt) via Großklinke auf Miniklinkeadapter. Doch nachdem der Preis von 150EUR auf ca. 80EUR gefallen ist, habe ich mir die Speaker im schnöden MediaMarkt angehört und ein Potential erkannt, dass ich bei Monitoren in der Größe noch nicht erlebt habe.

Der Grundklang der Boxen zeichnet sich durch unaufgeregte Mitten ohne den für diese Klasse sonst typischen 5Khz Boost (siehe z.B. Bose Companion oder Creative Gigaworks) aus. Dadurch bekommt man ein recht neutrales Grundklangbild und kann ohne Ermüdung auch mal 6 Stunden damit arbeiten. Ganz oben, ca. ab 10Khz lässt sich kein präzises Urteil mehr über das Material treffen, da ab da nur schemenhaft abgebildet wird. Die Basswiedergabe ist erstaunlich und in dieser Größe wohl einzigartig. Dennoch ist natürlich auch hier keine genauere Beurteilung mehr möglich; mir ist z.B. ein Subbass satte 8dB zu laut ausgefallen. Aber das kann man auch nicht erwarten – erstaunlich genug, dass man überhaupt einen Subbass wahrnehmen kann!

Die Tiefenstaffelung ist trotz der unterwegs üblichen Aufstellung auf dem Tisch ausreichend – man bekommt eine Vorstellung von den räumlichen Dimensionen und Reverb- und Delayzeiten lassen sich gut einstellen, so dass die Produktion nicht die Kopfhörermix-typische Zweidimensionalität aufweist.

Die Lautstärke ist beeindruckend und reicht auch aus, um eine kleinere Party auf dem Hotelzimmer zu schmeissen. Voll aufgedreht schlackern mir auf die übliche Hotelzimmertisch-Distanz die Ohren, ohne das Verzerrungen wahrzunehmen sind (wenn man nicht gerade Shackleton oder Burial auf 11 hört).

Im Verbund mit meinen AKG 270 und IGrado Kopfhörern kann ich gut unterwegs Musik produzieren, die sich annehmbar auf große PA-Anlagen und meine Studioabhören überträgt. Man liegt selten völlig daneben, was vor allem der guten Mittenwiedergabe der Z10 zu verdanken ist.

Fazit

Wer sich den Grenzen bewusst ist (zu schwache Höhen und Bässe, etwas langsame Transientenwiedergabe) und schon einige Erfahrung im Mischen hat, kommt mit diesen unschlagbar günstigen Speakern auch on-the-road auf gute Ergebnisse. Die Größe und das Gewicht von etwas über 4 KG machen sie gerade noch ICE und Luftgepäck tauglich. Natürlich werden die Z10 nie eine vollwertige Abhöre ersetzen können, dafür ist das wahrnehmbare Klangbild zu klein; auch sind es definitiv keine „Einsteiger“-Monitore; doch zur Kopfhörerergänzung und zur Produktion unterwegs eignen sie sich hervorragend. Der Preiscut deutet auf baldigen Ersatz der Modellreihe hin; ich bin gespannt ob etwas wirklich Sinniges (für Musiker) passiert oder nur ein Ipod-Dock drangeklatscht wird. Klanglich lässt sich wenig verbessern.

DasDAS

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9 Antworten auf “Mobile Musikproduktion: Logitech Z-10 Speaker Review”


  1. 1 Chillout Musik 15. Juni 2009 um 11:35 Uhr

    Klasse,
    warum nicht Logitech Boxen kaufen. Habe mir auch schon öfter mal Gedanken darüber gemacht, was man alternativ kaufen kann, um auch unterwegs zu mischen.
    Bisher bin ich dann immer bei meinen AKG K240 geblieben, da es keine richtige Alternative gab.
    Ich höre mir die Logitechs auch mal an.
    Bin gespannt!

    LS

  2. 2 DasDAS 15. Juni 2009 um 18:08 Uhr

    Deine AKGs sollten sich auch gut mit den Z-10 ergänzen – der trockene, leicht blutleere aber sehr präzise Klang ergänzt sich mit deren abgerundeten Grundsound.

  3. 3 JAN 15. Juni 2009 um 23:51 Uhr

    Ich hab n Logi mm50 fürs iPhone im Bad stehen. „Is Bombe!“ :)

  4. 4 JAN 15. Juni 2009 um 23:54 Uhr

    Die AKG 270 waren allerding der grösste Fehlkauf ever, auf meinen 30 EUR Koss Portapro mach ich um Welten bessere Mixe. Warum auch immer…

  5. 5 DasDAS 17. Juni 2009 um 17:51 Uhr

    Vielleicht weil du die Koss immer dabei hast und darauf viel mehr Musik hörst? Ich benutz deswegen gern meine IGrados, weil ich auf denen effektiv mehr Musik gehört habe.

  6. 6 Jan 13. März 2010 um 19:28 Uhr

    Hmmm, neee. Der Gesamtsound ist einfach nicht „meins“. Mit nem DT770 pro bin ich um Welten glücklicher, der gleicht auch in seinem Grundsound mehr dem KOSS.

  7. 7 DasDAS 15. März 2010 um 14:59 Uhr

    Mittlerweile bin ich auch DT770 umgestiegen, aber aus anderen Gründen: er ist geschlossen (super um im Zug Musik zu machen oder zu hören) und die Polster sind so weich, dass sie mit der ICE Wand ein Kissen bilden.

  8. 8 DasDAS 15. März 2010 um 15:05 Uhr

    Und die Logitech sind übrigens immer noch im Einsatz.

  1. 1 LOGITECH Z-10 Interactive 2.0 Speaker System - Logitech - Gimahhot Pingback am 07. Juli 2009 um 12:29 Uhr
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