Review: Stillwell The Rocket

Stillwell the rocket

Einen guten Kompressor auf Software-Basis herzustellen ist eine schwierige Angelegenheit, weswegen jeder, der es sich leisten kann, aufAPI 2500, Cranesong Tracker, 1176 oder ähnliches Hi-End Gear zurückgreift. Ein Problem ist die Zugriffsgeschwindigkeit, die Schnelligkeit mit der ein Kompressor zupacken kann. Oft greifen Software-Kompressoren nicht flink genug, um z.B. eine schöne AC/DC „Fupp“ Bassdrum hinzubekommen, vom klanglichen Charakter eines „meiner Katze liebstes Schlafplätzchen“ raumwärmenden Röhrenkompressors ganz zu schweigen.

Stillwell treten nun mit „The Rocket“ an, um gehörig Arsch zu treten und versprechen Mojo für Mixbuss und Instrumente. Ich habe ihn lange (ca. 3 Monate) und intensiv getestet und bin auch nach dem Ablauf der Honeymoon-Phase begeistert!

Dabei hatten wir beide zuerst Annäherungsschwierigkeiten, da ich das düstere „brushed Aluminium“ Design mit glimmenden Lichtern und pseudo-VU-Metern eher störend empfand. Ich mag nüchterne Plugins, die übersichtlich sind, wie z.B. die alten Waves Renaissence Geräte oder alles von Ableton. Besonders VU-Meter in Plugins erzeugen bei ähnliche Reaktionen wie Röhren im Sichtfenster. Pfui!

Doch schon beim Durchsteppen der Presets war ich versöhnt: wer ernsthaft ein Preset NME: 5 Stars „Edgy“ nennt oder Sex, Drums & Rock‘n'Roll spricht meine Sprache. Und ehrlich, besonders das NME Preset demonstriert auf z.B. einem Drumloop die Power des Rocket: wie beim „All-Buttons-In-Mode“ des 1176 ächzen und pumpen die Drums auf Schönste und der Noisefloor fliegt in den Himmel!

Die Kontrollen sind dabei zunächst Standard: Threshold, Makeup Gain (mit Auto-Funktion), Attack/Release, Ratio über vier wohlbekannte Knöpfe, High Pass Filter. Eigen ist der Regler „Impetus“, eine Analog-Simulation für ordentlich harmonische Verzerrungen im Signal. Zusammen mit dem wunderbar betitelten Knopf „Decadence“, der das Oversampling zur Vermeidung von Artefakten einschaltet, ergibt sich einer der besten Zerrer in der nativen Plugin-Welt. Gern benutz ich ihn um z.B. Sample Streicher mehr Leben zu verleihen.

Praktisch ist der Regler für parallele Kompression: damit läßt sich ein völlig gecrushtes Signal zu dem Originalsignal dazumischen, was die Dynamik erhält, aber den Druck erhöht und den Charakter der Musik schärft.

Da ich viel unterwegs arbeite und deswegen nie Outboard mitnehmen kann, war ich begeistert davon, einen derart formenden Kompressor dabei haben zu können, um z.B. aus einem samplebasierten und damit recht klar (oder booooooooring!) klingenden Rock-Track eine schmutzige Garagennummer machen zu können – sehr zum Leid diverser Old-School Tonmeister, aber zur Freude der Hörer.

Die euphonische Rundheit und Lebendigkeit eines API 2500 oder SSL Buscomp erreicht der Stillwell natürlich nicht. Da ist nochmal eine höhere Liga an Mojo und Atem am Start, für die man aber auch entsprechende AD/DA Wandler braucht, um sie zu Nutzen. Aber er kommt dem Ideal durch die Kombination aus Zerrer und schneller Kompression verdammt nah und eignet sich auch für bestens ausgestatte Studios hervorragend als klangformendes Werkzeug. Ob er auch sanft kann, weiss ich tatsächlich auch nach 3 Monaten nicht – zu sehr ist er bei mir als Krachmacher im Einsatz, als dass ich Lust auf neutrale Verwendung hätte.

Aber hört selbst und ladet euch das nicht zeitbegrenzte, voll-funktionsfähige Demo runter. Die Lizenz ist mit 49$ unschlagbar günstig.

Stillwell haben noch einige weitere interessante Plug-Ins in ihrem Roster, die ich in der nächsten Zeit testen werde.

5 Stars,
DasDAS

  • Twitter

4 Antworten auf “Review: Stillwell The Rocket”


  1. 1 Music Chillout 05. Juni 2009 um 11:00 Uhr

    Mann Mann,
    Dein Bericht macht das Ding ja wirklich schmackhaft.
    Ich lad mal das Demo runter:-)

    Schönes Wochenende!!!
    LS

  2. 2 DasDAS 05. Juni 2009 um 13:04 Uhr

    Danke, dir auch! Check auch mal den VibeEQ – der hat ein sehr schönes Mittenband, mit dem sich gut Bass andicken läßt.

  3. 3 JAN 05. Juni 2009 um 17:49 Uhr

    Gute Sache, Stefan.

    Das ist dann auch ein „for-every-channel“ Kompressor, oder? FÜr den Bus könnte man sich dann noch „The Glue“ kaufen. Sounds sexy…

  4. 4 DasDAS 06. Juni 2009 um 17:59 Uhr

    Ich hab ihn erfolgreich benutzt für: Vocals, Drumbuss, Bass, Strings, Gitarre, Mixbuss. „The Glue“ muss ich noch ausprobieren – falls du dazu feedback hast, schreib doch was dazu!

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.