Kommentare zu Blogposts: Kompressor 101

Wenn Kommentare so gut sind wie dieser zum Thema Kompression & Charter Oak SLC-1 vom Kollegen Arne, dann werden sie von mir gern zu eigenständigen Posts erhoben:

Einen seriösen Kommentar zur Schaltung [des SLC-1] kann ich natürlich erst geben, wenn das Gerät bei mir auf der Werkbank steht. Arnds erste Eindrücke über den Klang des Geräts lassen aber vermuten, dass hier neue Wege beschritten werden.

Um einschätzen zu können, was sich hinter der Formel “waveform differentiation and integration” verbirgt, kann ich quasi als “Teaser” für den kommenden, detailierten Bericht einmal kurz und grob veranschaulichen wie ein Kompressor arbeitet:

Ein Kompressor verändert die Dynamik eines Audiosignals mit Hilfe eines Regelverstärkers. Damit der Regelverstärker unterscheiden kann, an welchen Stellen er das Audiosignal tatsächlich verstärken muss und an welchen Stellen nicht, benötigt er ein Steuersignal.

Dieses Steuersignal gewinnnt der Kompressor direkt aus dem Audiosignal, welches am Eingang des Gerätes anliegt. Das Signal wird also hinter dem Eingang abgezweigt und läuft auf den sogennanten “Sidechain”. Am Ende des Sidechains sitzt der sogennante “Detector” der aus dem Signal dann das eigentliche Steuersignal macht welches sich dann mit den Parametern Attack, Release und Ratio noch von aussen beeinflussen läßt. Weitere Einzelheiten spare ich der Übersicht halber hier mal aus…

Zurück zum Sidechain. Beispiel: Jeder kennt das Problem, den ganzen Mix durch den Kompressor geschickt und am Ende pumpt alles ganz arg im Takt der Bassdrum.

Warum ?

Eben weil der Detector aus dem Audiosignal im Sidechain das Steuersignal macht und dabei unserer energiereichen Bassdrum eine tragende Rolle zukommen läßt. Mehr Energie bedeutet hier: stärkere Regelung. Manchmal ein cooler Effekt, oft aber auch nervig.

Was tun ?

Unser Signal auf dem Sidechain ist ein ganz normales Audiosignal und kann als solches mittels Filter bearbeitet werden. Das ist eine gängige Methode, viele Kompressoren haben auch die entsprechende Austattung an Bord. Oftmals sind mehrere Hochpässe schaltbar (API2500), andere bieten nur eine einzelnen (Drawmer 1968), wieder andere haben weitgehend durchstimmbare Hoch- und Tiefpässe (Safe Sound Dynamic Toolbox). Meistens gibt es auch Eingänge mit denen man ein u.U. komplett anderes Signal von außen auf den Sidechain schicken kann. Dieses kann dann vorher individuell bearbeitet werden.

Nachteil aller dieser Lösungen ist, das die Filtereinstellungen natürlich fix sind. Man könnte natürlich ein externes Sidechainsignal mit einem Software-EQ bearbeiten und diesen automatisieren (ausprobieren!) oder einen Assistenten an die Regler setzen der dann alles gibt beim Final Mix…

…und jetzt kommt Charter Oak mit “waveform diferrentiation and integration” !

Was heißt das ?

Grob (!) gesagt handelt es sich um Filter, denn

- Integration meint Tiefpass-Filter
- Differenzierung meint Hochpass-Filter

Wenn man es dann so hinbekommt, dass die Filtereckfrequenzen nicht statisch sondern signalabhängig sind, was Charter Oak damit zweifelsohne andeutet, ist das ein Schritt nach vorne.

Wie ich der Pressemitteilung und Arnds Test entnehme, kommt hier also der erste Kompressor mit dynamischen Filter im Sidechain.

Mit anderen Worten, ich bin gespannt wie das im Einzelnen realisiert ist (und ob ich mit meiner Interpretation der Ankündigung nicht verhauen habe )

Achtet auf den Test demnächst hier.

Arne

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