Mercedes Audio Logo – Its all in the Preset, Baby!

Original

Und Original

Und auch Original (die Library in Aktion)

Das in der Werbemusik nicht unbedingt klassische Komponisten vor der Berliner Philharmonie stehen und ihr Werk dirigieren, dürfte den meisten klar sein. Mit der weitverbreiteten „mach mal X Demo-Betten“ Politik ist der Griff in die Samplebank die einzige Möglichkeit, den Anforderungen der Marketingabteilungen Herr zu werden. Schließlich ist ja nicht jeder Brian Eno, der einst den Windows 95 Startup-Sound sehr aufwändig komponierte:

Brian Eno: The thing from the agency said, “We want a piece of music that is inspiring, universal, blah- blah, da-da-da, optimistic, futuristic, sentimental, emotional,'‘ this whole list of adjectives, and then at the bottom it said “and it must be 3 1/4 seconds long.'‘
I thought this was so funny and an amazing thought to actually try to make a little piece of music. It’s like making a tiny little jewel. In fact, I made 84 pieces. I got completely into this world of tiny, tiny little pieces of music. I was so sensitive to microseconds at the end of this that it really broke a logjam in my own work. Then when I‘d finished that and I went back to working with pieces that were like three minutes long, it seemed like oceans of time.

SFgate

Wenn die Agentur aber ausgerechnet das Bett nimmt, dass eins zu eins von einer Sampling-CD stammt (Symphony of Voices) kann man nicht mehr von Komposition sprechen, sondern eher von Selektion oder vielleicht noch Design. Schlimm wird es aber, wenn noch ein verschleierndes Gewäsch hinzukommt, das dem simplen, 10 Jahre altem Preset eine Aura technischer Brillianz geben soll:

Die Töne stammen aus einer Originalaufnahme eines englischen Jungenchores aus den 90er-Jahren. Dabei wurde der Solopart einer Knabenstimme extrahiert und für das Sound Logo technisch aufbereitet.

Handelsblatt

Extrahieren = CD einlegen
technisch aufbereiten = Taste drücken, Hall drauf, fertig.

Aber dennoch, Chapeau für den Sounddesigner von Jung von Matt für seine Chuzpe.

Allerdings stellt sich die Frage, inwieweit das Logo überhaupt geschützt werden kann. Schließlich ist die Lizenz zur Nutzung der exakt gleichen Phrase an viele tausend User übergegangen. Ein feines musikrechtliches Problem, das einige Anwälte sicher glücklich machen wird.

Lululuuuu,
DasDAS

Update: Offizielles Statement von Spectrasonics

Hi DasDAS,

Yes, that’s correct. We are very proud to report that Mercedes licensed that sample of the boy singing from our Spectrasonics Symphony of Voices library as their exclusive new sound logo. BTW, they were fully aware that it was already available in this sample library for a long time and had been used many times in famous scores, but they liked it so much that they wanted it for their corporate audio logo. So it was a completely legitimate transaction with a special license we arranged for them to use the sample as their corporate audio logo.

Best regards,

Eric Persing
President/Creative Director
Spectrasonics

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16 Antworten auf “Mercedes Audio Logo – Its all in the Preset, Baby!”


  1. 1 Taste 06. Juni 2008 um 12:30 Uhr

    unglaublich… mehr davon!

  2. 2 DasDAS 06. Juni 2008 um 13:03 Uhr

    Ich hab Spectrasonics angeschrieben – mal sehen ob die ein Statement dazu haben.

  3. 3 Dezzo 06. Juni 2008 um 13:23 Uhr

    wie abgezockt is das denn …. das wird immer schlimmer !
    wahnsinn……..

  4. 4 Dan 06. Juni 2008 um 14:42 Uhr

    Schlimmer gehts ja wohl nicht… ich hoffe man darf die Samples der Libary nicht einzeln nutzen… wahrscheinlich haben sie noch ein subfrequentes sample zur absicherung runtergehauen;)

    einfach einfallslos!

  5. 5 Jan 07. Juni 2008 um 23:07 Uhr

    Hab ich schon mal erwähnt, dass sich mit seit dem 1. Mal, wo ich diese Audio CI gehört hab, sich mir jedes Mal der Magen umdreht, weil diese Tonfolge einfach total ABARTIG langweilig und irgendwie SCHIEF ist…

    BAH!

    Sie sollen sich mal an Audio und BMW mal n Beispiel nehmen, das hat wohl alles des gleiche Typ gemacht. Der wohnt wohl schon was länger in Hollywood und kann immer noch keine einzige Note lesen. (Nein, es wird KEIn Stevie Wonder-Witz, er ist nicht blind).

    Zeigt, dass man das Klassische nicht unbedingt brauch für Audio Design.

  6. 6 audionerve 08. Juni 2008 um 2:44 Uhr

    Nanana, Jan – wir wollen mal nicht übertreiben. Das Audio-Logo ist weder disharmonisch noch langweilig. Es erfüllt seinen Zweck als Audio-Logo zu 100% – sonst würdest Du zB jetzt nicht darüber schreiben.

    Und warum sollte man sich „ein Beispiel nehmen“ an BMW oder Audi? Damit noch ein Soundlogo für eine Automarke im Stil eines technischen Herzschlages aus dem TV erklingt? Der gute Gedanke hinter dem aktuellen Mercedes Soundlogo lässt sich nicht anfechten – ob es Dir nun musikalisch zusagt oder nicht – JvM wissen schon, was sie tun. Die Idee basiert ja auch auf einem Konzept und kommt nicht aus heiterem Himmel.

    Ich denke, bis in 2 Wochen wird es wohl eine Stellungnahme geben müssen – sei es von Mercedes selbst, JvM Hamburg oder dem verantwortlichen Sounddesigner, wobei das eher unwahrscheinlich ist.

    Ich freu‘ mich drauf! :D

  7. 7 Jan 09. Juni 2008 um 0:14 Uhr

    @Audionerve:

    Also es kann ja sein, dass Jung von Matt wissen, was sie tun – wissen, was sie WOLLEN, tun – meiner Erfahrung – die wenigsten Werber, sobald es um Soundlogos gibt. Sicher gibt es solche und solche, aber so die (grob geschätzte) Hälfte, beschreibt ihre Wünsche immer mit emotionalen – selbst für den Kreativen meist völlig schwammigen – Adjektiven wie „mach mal was blauer“ oder „das muss mehr fliegen“ oder „da muss mehr move rein“… Nicht umsonst kommen für einen Auftrag schonmal 80 Layouts zustande.

    Die Audio-CI wegen ihrer Einprägsamkeit zu preisen, da ich mich darüber aufrege, finde ich hier verfehlt. Denn ein Audio-Logo, wo jemand 12x hintereinander schnell „Titten“ sagt, hätte (bei mir zumindest) den gleichen Effekt: Ich würde mich darüber aufregen. Dann aber zu sagen: „Hey ist doch toll, es hat seinen Zweck erfüllt“ entbehrt irgendwie ’ner Grundlage.

    Ich versuch auch irgendwie den Zweck dieser CI zu verstehen. Es erinnert mich alles an ein olles Referat aus‘m Studium über Kastraten. Dort wurden Jungen schon früh die Klöten entfernt, um den hormonell bedingten Stimmbruch zu verhindern.
    Musik von Kastraten hatte durch ihre helle Färbung immer etwas überirdisches, engelsgleiches…

    Wahrscheinlich wollten unsere koksenden Freunde aus der Werbebranche (ich liebe das Spiel mit Klischees) sowas erreichen.

    Den Satz mit dem Jugendchor find ich interessant, denn keiner hat sich hier je gefragt, wo die Macher der Sampling-CD-Reihe die Aufnahmen haben…

  8. 8 DasDAS 10. Juni 2008 um 11:37 Uhr

    Spectrasonics haben ein Statement abgegeben, das ihr oben lesen könnt.

  9. 9 Taste 10. Juni 2008 um 11:46 Uhr

    Cool, danke für die Info!

  10. 10 duzui 10. Juni 2008 um 14:53 Uhr

    hey, wo sind die Videos hin??? Kann es sein, dass JvM oder Mercedes einen guten Draht zu Youtube hat? Weiß jemand, wo man die Videos sehen kann?

  11. 11 DasDAS 10. Juni 2008 um 15:09 Uhr

    Die Videos sind noch da und laufen, hier unter Firefox 2.2. Have you tried turning it on and off again? ;-)

  12. 12 audionerve 10. Juni 2008 um 20:52 Uhr

    Sehr schön….einmal tief durchatmen, haha… :D Hätte ich nicht gedacht, dass Mercedes da so „cool“ ist mit der Exklusivität. Schön zu hören!

  13. 13 TA 18. Juni 2008 um 12:48 Uhr

    @audionerve

    Dass Jung von Matt als Agentur weiß was sie tut bezweifle ich im Kontext des Audio-Brandings sehr. Aus Markensicht absoluter Schwachsinn. Das Audio-Logo ist mitnichten auf die Marke abgestimmt! Das ist keine (!) akustische Markenführung und von Exklusivität im Sinne einer ausschließlichen Konditionierung mit der Marke kann keine Rede mehr sein, wenn das Sample in zig tausend Filmscores eingeflossen ist und damit generisch und austauschbar wird. Das kann nicht im Sinne der Marke sein. Zudem ist es höchst fragwürdig, was ein englischer Knabenchor mit einer deutschen Traditionsmarke zu tun hat – mal von der Markenherkunft her betrachtet.

    Das zeigt einfach ganz deutlich, dass Agenturen oft behaupten eine Audio-Branding-Kompetenz zu haben – ganz nach dem Motto: DAS KÖNNEN WIR AUCH! De facto haben sie aber null Ahnung und verkaufen schlechte Leistung für viel Geld. Wenn dem wirklich so ist, dass Jung von Matt das wußte, dann ist das nicht gerade sehr seriös und spricht nicht für Expertise. Dumm nur, dass meist nur große Werbeagenturen Budgets für die akustische Markenführung bekommen. Das ist so, als wenn man einem Bäcker damit beauftragt ein Premium-Auto zu bauen.

    Bin sehr enttäuscht und halte jetzt noch weniger von der Agentur als zuvor…

  14. 14 Brett Schmidt 15. Juli 2008 um 14:07 Uhr

    schließe mich TA zu 100 % an und treibe es noch ein wenig weiter: checkt mal folgende clips in die sich das sound logo mehr als perfekt einbetten ließ und für was für einen art szenen die stimme eines „chorknaben“ verwendet wird:

    http://www.youtube.com/profile_videos?user=brettschmidt123&p=r

    abgesehen davon, dass jeder für kleines geld die spectrasonics library kaufen und damit sein ganz eigenes mercedes benz sound logo lizenzieren kann, wird das stilelement „chorknabe“ in filmen zur unterstützung von horror, tragödie, katastrophen und sogar einer kreuzigung (bwt ist es ebenfalls ein sample aus der besagten library) in hollywood scores verwendet.

    dann mal herzlichen glückwunsch an jvm und schließlich mercedes benz, die eigentlich nichts dafür können. sie haben sich lediglich auf die teuere und immer im eigenen sinne handelnde agentur verlassen. und wurden verlassen… :)

    in diesem sinne,

    brett schmidt.

  15. 15 audionerve 15. Juli 2008 um 17:38 Uhr

    Ihr dürft nicht vergessen, dass wir als Audio-Nerds, die sich für Sound-Branding interessieren und so ein Logo auseinandernehmen, nicht zur Ziel- bzw. Käufergruppe von Mercedes gehören.

    Diese Assoziation mit HdR, Tragödie etc. kommt uns vielleicht in den Kopf – gleichermaßen ist so ein Knabenchor aber für den Laien rein, edel, traditionsreich und sauber – so wie ein hübscher Benz eben auch.

    Am Ende zählt, ob es funktioniert – bei mir hat’s das. Es ist eben unerwartet anders. Und dafür wird eine Agentur auch bezahlt, besonders bei einem Kunden wie Mercedes.
    Für Euch ist das eventuell ein Leichtes, sich die Library zu besorgen und ein Sample davon zu nehmen – ein Unternehmen wie Mercedes weiß weder wie man „Spectrasonics“ schreibt, noch wie man daraus ein SoundLogo macht, that’s it. ;)

  1. 1 www.markus-jordan.de » Blog Archiv » Mercedes Sound Logo mit Rechtsproblemen ? Pingback am 06. Juni 2008 um 16:16 Uhr
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